Chronik der »Freiwilligen Feuerwehr Erpfting«

 

Ein besonders wertvolles Stück    

aus der "Schatzkammer" der Erpftinger Feuerwehr stellt die aus der Gründerzeit erhaltene Chronik dar. In Vielen Arbeitsstunden und akribischer Liebe zum Das Deckblatt der wertvollen, handgeschriebenen ChronikDetail wurde sie vom damaligen Lehrer Josef Einzinger angelegt. Ihr ist zu entnehmen, dass es vieler engagierter Gespräche, aber auch hitziger Diskussionen bedurfte, bis es schließlich zur Gründungsversammlung kam.

Am 17. Januar 1875

hoben dann 63 Gründungsmitglieder, darunter ein weibliches: Frau Viktoria Steiner, in der Tafernwirtschaft, dem heutigen  Gasthaus Post, die Erpftinger Feuerwehr aus der Taufe. Als weiteres Gründungsmitglied sei noch der derzeitige Dorfpfarrer Hofmann erwähnt.

Eine der ersten Wehren

war die Erpftinger Feuerwehr somit im damaligen Königlichen Bezirksamt Landsberg. Eine Handdruckspritze war scheinbar schon vorher vorhanden. (Foto) Im Juni 1875 wird ein Anbau an die Dorfschmiede (sie befand sich dort, wo heute der Dorfbrunnen ist) zur Unterbringung der Spritze und der Feuerwehrrequisiten gemacht. Von da an hieß es Feuerwehrrequisitenhaus. Die Schmiedemeisterfamilie Frei war vier Generationen Zeugmeister. Reiches Inventar ist aus der Gründerzeit vorhanden und wird heute gerne noch bei Umzügen mitgeführt. Sie zeugen auch von der damaligen guten Leistungskraft der Wehr.

Leinenkübel vs. Löschmaschine

Die bereits erwähnte Handspritze funktionierte nur auf Druck. Das Wasser musste mit Leinenkübeln herbeigeschafft werden. Ein großer Vorteil bei einem Brandfall war, wenn das Anwesen in der Nähe des Luibachs lag. Am 5. Januar 1881 beim Brand von Haus Nr. 43 Loibenschmid kam eine neue Saug- und Druckspritze zum Einsatz. Sie wurde damals als Löschmaschine bezeichnet, obwohl mit Hand gepumpt werden musste. (Foto)

Uniformen für die Akiven

Zum 25jährigen Jubiläum drängte der Verwaltungsrat darauf, daß die aktiven Mitglieder Uniform tragen. Die Gemeinde ließ zwar bei Schneidermeister Klughammer 30 Uniformröcke anfertigen, die letzten Endes aber von den Aktiven selbst zu zahlen waren. Die Jubiläen wurden immer gebührend gefeiert. So war es Tradition, das ein Gottesdienst voraus ging, in dem der verstorbenen Mitglieder gedacht wurde. In den Festversammlungen, so wurden Jubiläen genannt, gab es nach den Ehrungen ein Festessen.

 

Kurioses aus den Protokollen:
Zitat aus der Festansprache von Bürgermeister Zendath vom 11. Januar 1901: "Einen Fall kann ich nicht verschmerzen, wo sich die Wehrler keine Lorbeeren holten. Da erscholl hier nicht der Ruf »Fuirio«, sondern der Räuber Waste ist da. Es ist am Kirchweihmontag 1895 gewesen und die tapferen Wehrler ließen ihre Spritze, Schläuche und alle Ausrüstung fein säuberlich daheim. Dafür nahmen Sie Prügel, Gewehre, Revolver und überhaupt etwas zum Schießen, Schlagen und Stechen mit und fort ging's über die Klausenshalde, durchstreiften den Wald, um den Räuber nicht zu finden, sondern dem H. Kinberger in Ellighofen einen Besuch abzustatten. Mich erinnert die Geschichte an das Stücklein der sieben Schwaben, die am Bodensee ein großes Ungeheuer erlegen wollten und stattdessen ein armseliges Häslein entdeckten. Unsere Erpftinger aber fingen gar nichts, sondern trotteten wohlgezecht nach ihrer vergeblichen Heldentat ohne den »Wastl« in ihre stillen Kämmerlein."

 

Hydranten, Steigleiter und Hornisten

Als im Jahre 1910 in Erpfting eine Wasserleitung erbaut wurde, wurden entlang des Hauptstrangs Hydranten installiert. Die Wartung und Pflege musste die Wehr übernehmen. Im selben Jahr wurde eine Steigleiter zum Preis von 575 Mark angeschafft. Über deren Benutzung, so steht im Protokoll, bedarf es einer sorgfältigen Unterweisung. (Foto) Zu diesem Zeitpunkt war die Wehr gut ausgerüstet. Zwei Hornisten, einer für das äußere Dorf und einer für das Oberdorf, hatten bei Feuersbrunst Alarm zu blasen. Sie mussten auch für Übungen, die meisten Sonntagvormittag waren, Signal geben. Bei großer Feuersbrunst wurde mit allen Kirchenglocken geläutet. Eine Sirene wurde erst Ende des Krieges auf dem Molkereigebäude installiert. So sind in den Protokollen 15 Großbrände innerhalb der Gemeinde verzeichnet. Deren Ursachen war, soweit bekannt, Brandstiftung, Blitzschlag, Selbstentzündung oder zündelnde Kinder.

Verwaltungsräte und Vereinsdiener

Bei den Vorständen, die früher Verwaltungsräte hießen, sind nur sechs namentlich bis 1914 aufgeführt. Meistens waren es der Bürgermeister, der Lehrer oder wie bei letzterem der Gastwirt Zendath. Dieser Verwaltungsrat hatte auch einen Vereinsdiener. Mit einem Jahresgehalt von 9 Mark musste er die Einladungen zu Sitzungen und Versammlungen machen.

Wehrmänner im Krieg

Aus der Zeit des 1. Weltkrieges sind keinerlei Protokolle vorhanden. Ab 1919 wird dann berichtet, dass an dem schrecklichen Krieg 42 Wehrmänner teilnehmen mussten. Vier sind gefallen und drei waren bis 1919 noch in französischer Gefangenschaft.

 

Kurioses aus den Protokollen:

1934 hielt sich der lang gesuchte Raubmörder Heimerer in Erpfting auf. Zehn uniformierte Feuerwehrmänner mußten der Gendarmerie Hilfestellung leisten und das Haus umstellen, in dem er sich befand. Als Heimerer die Übermacht sah, ließ er sich anstandslos abführen.

 

Segen und Fluch der Technik

Auch in der näheren Nachbarschaft wurde die Erpftinger Wehr zu Einsätzen gerufen. So sind Einsätze in Landsberg, Ellighofen, Igling und Honsolgen aufgeführt. Sogar im 2. Weltkrieg bei den Bombenangriffen auf München war die Wehr mit der 1939 angeschafften ersten Motorspritze im Einsatz. Die Spritze hatte aber ihre Tücken. Am 28. Juli 1945 brannte durch Blitzschlag das Ökonomiegebäude von Gastwirt Kreis. Die Motorspritze brachte man einfach nicht zum Anlaufen. Ein großes Malheur. Bis die Landsberger Wehr eintraf, wurden mit Saugdruckspritze und Hydrant die Nebengebäude abgesichert.

 

Kurioses aus den Protokollen:

1. April 1956 Ostersonntag. Brand im landwirtschaftlichen Anwesen von Paul Schweighofer. Um 15:45 Uhr bemerkte ein Anwohner den Brand. Er alarmierte sofort auch die noch im Gasthaus Sonne Sitzenden, darunter den Adjudanten (Stellv. Kdt). Dieser übernahm sofort den Löscheinsatz. Das Wohnhaus und das Vieh konnten gerettet werden, die Hühner verbrannten. Kommandant Ströbl, der am Ortsende wohnte, wurde nicht alarmiert. Als dieser am Morgen auf dem Weg zur Käsküche den Brandfall sah, legte er aus Wut, dass er nicht verständigt wurde, sofort sein Amt als Kommandant nieder.

 

Löschfahrzeug und Gerätehaus

Die Gemeinde Erpfting war für die Belange der Wehr aufgeschlossen. Im Jahre 1977 wurde ein neues Löschfahrzeug LF 8 bestellt (Preis 110.000 DM). Dazu gab es 40 % Zuschuß vom Landkreis. Landrat Müller-Hahl, gebürtiger Erpftinger und Mitglied hatte dieses Vorhaben gefördert. Am 25. September 1977 konnte dann auch noch das neue Feuerwehrgerätehaus, das aus der ehemaligen Volksschule bestand, eingeweiht werden.
Am 1. Mai 1978 wird Erpfting zur Stadt Landsberg eingemeindet. Die Erpftinger Wehr behält ihre Selbständigkeit. Die ehemalige Gemeindekanzlei bekommt die Wehr als Schulungs- und Sitzungsraum.

Kommandanten und Vorstände

Erst seit dem 15. April 1978 hat die Erpftinger Wehr wieder eine Vorstandschaft. Sie besteht aus einem 1. und 2. Vorstand, einem Kassier, einem Schriftführer und zwei Vertrauensleuten. Zur Vorstandschaft gehören auch der Kommandant und sein Stellvertreter.
In der nun 125jährigen Geschichte versahen insgesamt 11 Kommandanten den Dienst. Bei den Stellvertretern liegt die Zahl bei 19, bei den Schriftführern und Kassieren sind 9 bzw. 10 aufgeführt.

Helfen in Not ist unser Gebot

In der außerordentlichen Generalversammlung am 08.03.1980 kam aus den Reihen der Mitglieder der Wunsch nach einer Feuerwehrfahne. Dies war keine leichte Aufgabe für die Vorstandschaft, aber durch eine sehr ergiebige Haussammlung und großzügige Spenden konnte dieser Wunsch in die Tat umgesetzt werden.
Am 27. Juni 1982 wurde die Fahne mit dem neuen Wahlspruch »Helfen in Not ist unser Gebot« durch Pfarrer Danner feierlich geweiht. Am Festzug, wohl einem der besten in Erpfting, beteiligten sich noch 18 Vereine aus der Nachbarschaft. Viel Geld war eigentlich in der Vereinskasse nie. Im Gründungsjahr zahlte man noch mit Gulden und Kreuzer. Doch einmal war über eine Million vorhanden. Das war im Inflationsjahr 1923/1924. Der Mitgliedsbeitrag betrug 600 Reichsmark und konnte in zwei Raten bezahlt werden.

Die neue Zeit

Mit der Anschaffung des Löschfahrzeuges LF8 begann auch ein neues Ausbildungssystem. Kommandant Leo Mayer schickte die ersten Aktiven zur Feuerwehrschule nach Regensburg. Löschgruppenführer Peter Wohlhüter und Rudolf Hansmann hatten als erste mit je einer Gruppe das Leistungsabzeichen abgelegt (Foto).
Ein weiterer Aufschwung der Wehr fand dann unter Kommandant Sepp statt. Dieser hatte vor allem durch seine lautere Art auch noch ein Geschick junge Leute für die Wehr zu engagieren. Für seine 20jährige Dienstzeit wurde er im Dezember 1998 zum Ehrenkommandanten ernannt.
Auch mit seinem Nachfolger Harald Rembold ist die Wehr in besten Händen. In seiner Amtszeit war es erstmals auch für Frauen möglich, Dienst in der freiwilligen Feuerwehr zu tun. Zwei der Damen sind inzwischen Jugendwarte. Ihr Aufgabengebiet ist vor allem junge Leute für den aktiven Dienst zu gewinnen und eine gute Ausbildung zu ermöglichen.

 

Die Chronik wurde zusammengestellt vom Ehrenschriftführer der FFW-Erpfting, Herrn Konrad Gayer

 


 
Historische Bilder
 
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Die Druckspritze, sie musste mittels Leinenkübel per Hand mit Wasser befüllt werden Mit der Saug-Druckspritze war ein erheblicher Fortschritt zu verzeichnen, obwohl auch sie mit Muskelkraft betrieben werden musste
Die Steigleiter, zu deren Benutzung es einer sorgfältigen Unterweisung bedurfte Fahrzeugweihe des neuen LF 8, mit diesem Fahrzeug war die Erpftinger Wehr endlich auf dem Stand der Löschtechnik angekommen.
Stolz wird das neue LF 8 den Erpftinger Bürgern vorgeführt Eine der ersten Mannschaften, die am LF 8 ausgebildet wurden und das Leistungsabzeichen ablegte 
 

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